REFA Consulting

Projektzeitraum: Juli 2019 - September 2019
Beteiligte Berater: 4

Ausgangssituation

Der Beratungskunde ist das führende Unternehmen im Bereich der Textilsortierung mit weltweiten Niederlassungen. Allein in Deutschland werden jährlich ca. 100.000 Tonnen gebrauchte Textilien und Schuhe erfasst und sortiert. Hierfür beschäftigt der Betrieb derzeit rund 700 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Zur Verbesserung der Ablauforganisation – von der Planung, Steuerung und Durchführung bis hin zur Kalkulation und Entgeltgestaltung – sind die Gestaltung der Arbeitsabläufe und Arbeitsplätze sowie die Festlegung von Standards und die Ermittlung von Vorgabezeiten von grundlegender Bedeutung. Zur Qualifizierung der Planung und Steuerung sowie zur Sicherung der effizienten und leistungsgerechten Entgeltdifferenzierung sollen die Prozesse der Zeitwirtschaft optimiert und repräsentative Vorgabezeiten auf Basis der REFA-Methodenlehre ermittelt werden.

Zeitaufnahmen Textilbranche

Ziel der REFA Beratung

Das Ziel der Beratung bestand darin, Vorgabezeiten zu ermitteln, die aus Grund- und Verteilzeiten bestehen. Auf Basis des Ergebnisses sollte dann eine Tagesleistung errechnet werden.

Vorgehensweise

Ermittlung der Vorgabezeit

Vorgabezeiten für das Ausführen von Arbeitsabläufen bestehen aus der Grundzeit (tg) für planmäßige Tätigkeiten und der Verteilzeit (V) für unplanmäßige Tätigkeiten.

Die Grundzeit (tg) setzt sich aus der Summe der Soll-Zeiten von Ablaufabschnitten zusammen, die für die planmäßige Ausführung eines Ablaufes durch den Menschen erforderlich sind; sie bezieht sich auf die Mengeneinheit 1 (tg = tMH + tMN + tMA).

  • Eine Haupttätigkeit (tMH) ist eine planmäßige, unmittelbar der Erfüllung der Arbeitsaufgabe dienende Tätigkeit.
  • Eine Nebentätigkeit (tMN) ist eine planmäßige, nur mittelbar der Erfüllung der Arbeitsaufgabe dienende Tätigkeit.
  • Das ablaufbedingte Unterbrechen (tMA) ist ein planmäßiges Warten des Menschen auf das Ende von Ablaufabschnitten, die beim Betriebsmittel oder Arbeitsgegenstand selbständig ablaufen.

Die Verteilzeit (V) besteht aus der Summe der Soll-Zeiten aller Ablaufabschnitte, die zusätzlich zur planmäßigen Ausführung eines Ablaufes durch den Menschen erforderlich sind; sie bezieht sich auf die Mengeneinheit 1 (V = Vsk + Vsv + Vp).

  • Die sachlich, konstante Verteilzeit Vsk (tMSk) ist die Summe aller während der Aufnahmezeit angefallenen Zeiten für die Ausführung auftragsunabhängiger, schicht- oder wochenkonstanter Ablaufabschnitte.
  • Die sachlich, variable Verteilzeit Vsv (tMSv) ist die Summe aller während der Aufnahmezeit angefallenen Zeiten für die Ausführung auftragsabhängiger Ablaufabschnitte.
  • Die persönliche Verteilzeit Vp (tMP) ist die Summe aller während der Aufnahmezeit angefallenen Zeiten für persönlich bedingtes Unterbrechen.

Zur Ermittlung der Vorgabezeit te1 wird die Verteilzeit in der Regel mittels Verteilzeitzuschlagsatz (Zv) als prozentualer Aufschlag auf die planmäßigen Grundzeiten (tg) berücksichtigt.

Die Zuschläge für unplanmäßigen Zeitanteile (Verteilzeitzuschlagsatz) werden nach der REFA-Methodenlehre repräsentativ in Verteilzeitstudien ermittelt. Dazu ist die Datenerhebung über ganze Schichten sowie über alle Schichten der Arbeitstage einer Kalenderwoche durchzuführen.

Case Study Zeitaufnahme

Ermittlung der Verteilzeit

Verteilzeitzuschlagsätze

Nach der REFA-Methodenlehre werden die unplanmäßigen Ereignisse in der Planung von Auftragszeiten durch repräsentative und reproduzierbare Verteilzeitzuschlagsätze berücksichtigt.

Verteilzeitzuschläge sind Kennzahlen, die eine Bewertung der Effizienz der Ablauforganisation und einen Benchmark mit dem Industriedurchschnitt ermöglichen. Verteilzeiten repräsentieren Störungen im planmäßigen Ablauf und stellen somit Verschwendung bzw. Potenzial dar.

Die Zuschlagsätze werden aus den in Zeitaufnahmen ermittelten Zeitanteilen nach REFA wie folgt berechnet:

Fallbeispiel Zeitaufnahme

Ergebnis des Beratungsprojektes „Zeitaufnahmen in der Textilbranche“ (Auszug)

Ableitung des durchschnittlichen Leistungsgrades

Der für die Hochrechnung der Tagesleistung angenommene durchschnittliche Leistungsgrad von LG = 110 % basiert auf der Streuung der menschlichen Leistung nach Professor Wechsler. Danach streut der Leistungsgrad einer Mitarbeitergruppe, sofern beeinflussbare Zeiten vorliegen und die Leistungsgradbeurteilung auf der Basis der Normalleistung erfolgt, nach folgender Verteilung.

Fallstudie Zeitaufnahme

Auf Basis der ermittelten Vorgabezeiten je Stück te1, inklusive des angenommenen Verteilzeitzuschlagsatzes zv = 10 %, kann mit Hilfe des durchschnittlichen Teilegewichts die Tagesleistung für die einzelnen Arbeitsplätze in kg errechnet werden.

Als realer durchschnittlicher Leistungsgrad einer Gruppe geeigneter, geübter und eingearbeiteter Mitarbeiter wird dazu nach der Analyse der Streuung menschlicher Leistung ein Leistungsgrad von 110 % vorausgesetzt.

Kalkulation der Tagesleistung

Somit lässt sich die Tagesleistung auf Basis der oben stehenden Komponenten wie folgt exemplarisch errechnen:

Zeitaufnahme Case Study

Ihre Ansprechpartnerin

Bettina Dirks
Bettina Dirks
Koordination Consulting
0231 9796-135
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