REFA Consulting

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– Vergleich zwischen den Methoden von REFA und MTM

MTM und REFA stehen der Wirtschaft als Bildungs- und Beratungspartner zur Seite, beide Organisationen liefern Methoden zur Analyse, Gestaltung und Optimierung von Prozessen. Die Zeit steht als zentrale Planungs- und Steuerungsgröße im Fokus. Im Folgenden werden einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Systeme skizziert.

Wann wähle ich welche Methode der Vorgabezeitermittlung?

Diese Frage stellen sich in Produktionsbetrieben vor allem Industrial Engineers, Arbeitswirtschaftler und Mitarbeiter von AV-Abteilungen. Vorgabezeiten sind zentrale Planungs- und Steuerungsinformationen der Arbeitswirtschaft. Sie geben die geplante Dauer – die Sollzeit oder Planzeit – für die Ausführung von bestimmten Arbeitsabläufen durch Arbeitskräfte und Betriebsmittel an.

Grundsätzlich verfolgen REFA und MTM bei der Vorgabezeitermittlung unterschiedliche Vorgehensweisen: Während REFA den Top-Down-Ansatz vertritt, nachdem ein zu untersuchender Arbeitsprozess nur so fein wie für die Ermittlung der interessierenden Zeit notwendig gegliedert wird, setzt MTM auf die Vorgabezeitermittlung nach dem Bottom-up-Ansatz. Hier werden feingliedrige Grundbewegungselemente wie „Hinlangen“, „Greifen“, „Bringen“, „Fügen“, „Loslassen“, die jeweils mit Zeiten hinterlegt sind, bis zum zu untersuchenden Arbeitsablauf aufaddiert. Gleichwohl ist diese Vorgehensweise auch Bestandteil des „REFA-Werkzeugkastens“. Bottom-up kommt z. B. mit den Systemen vorbestimmter Zeiten (SvZ) bei speziellen Aufgabenstellungen zur Anwendung.

Top-down- und Bottom-up-Ansatz von REFA und MTM
Grundphilosophien bei der Gliederung von Prozessen (REFA: Top-down, MTM: Bottom-up)

Analyse und Prozessgestaltung

Die organisatorische Komplexität eines Unternehmens verlangt nach Abstraktion und Strukturierung in Bereiche bzw. Funktionen und Prozesse, um dort konkrete Analyse- und Gestaltungsarbeit leisten zu können. So besteht eine umfassende Prozessgestaltung aus folgenden Stufen:

  • Stufe 1: Unternehmensprozess
  • Stufe 2: Hauptprozesse
  • Stufe 3: Teilprozesse
  • Stufe 4: Arbeitssystemprozesse

Die REFA-Sichtweise umfasst hier alle Stufen der Prozessgestaltung, während die MTM-Methodik die erste Stufe „Unternehmensprozess“ nicht bearbeiten kann.


Mehrstufige Prozessgestaltung

Bei der Analyse der Ablaufarten für den Menschen werden von der MTM-Systematik nur Haupt- und Nebentätigkeiten berücksichtigt, zusätzliche Tätigkeiten und Zeiten aus verschiedenen Unterbrechungsarten bleiben außen vor. Da gerade durch die differenzierte Analyse von Unterbrechungen Ratiopotenziale aufgedeckt werden können, ist die REFA-Methodik hier ergiebiger: So lassen sich durch Potenzialanalysen Schwachstellen erkennen, Abläufe optimieren, Verteilzeiten ermitteln.

Die Stärken der REFA-Methodik kommen gleichgewichtig sowohl bei der Analyse des Ist-Zustandes als auch bei der Planung des Soll-Prozesses zum Tragen. Dagegen liegt der Einsatzschwerpunkt der MTM-Werkzeuge auf dem Planungsprozess.

Wird der Planungsaufwand für ein neues oder zu optimierendes Arbeitssystem betrachtet, so sind nach der MTM-Methodik die Zeitbausteine der Grundbewegungselemente zusammenzutragen, während beim REFA-System auf passgenaue Elemente zugegriffen bzw. mit Berechnungsformeln gearbeitet werden kann.

Ausbildungskonzepte

Bei den Ausbildungen in der Anwendung der Systeme von MTM und REFA zeigt sich, dass manche Qualifizierungsstrukturen annähernd gleich sind, andere sich wiederum unterscheiden. So gibt es u.a. in beiden Systemen eine methodische Grundausbildung sowie Vertiefungsseminare. Die von REFA seit vielen Jahren angebotene Stufenausbildung ist bei MTM in der Planung. Das REFA-Qualifizierungsangebot an Hochschulen ist ausgeprägter als das von MTM.

Die einmal erworbenen REFA-Zertifikate bleiben lebenslang gültig, während MTM-Qualifizierungsnachweise alle drei Jahre mit Auffrischungskursen aktualisiert werden müssen.

Leistungsmaßstab „Standardleistung“

Die vom Menschen beeinflussbare Ausführungszeit variiert mit der Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters und situationsbedingten Einflussfaktoren. Die Berücksichtigung dieser Variabilität durch die Leistungsgradbeurteilung ist eine REFA-Spezialität. Dagegen geht die MTM-Datenermittlung von einem gleichbleibenden Leistungsstandard aus, der heute nicht mehr reproduziert werden kann.

Die Entscheidung, welche Systeme am besten passen, bleibt letztlich dem Anwender überlassen. Die Auswahl muss dabei nicht zwingend im Sinne von „entweder – oder“, sondern vielleicht auch „sowohl – als auch“ getroffen werden. Die Nutzung der Systeme vorbestimmter Zeiten (SvZ) im REFA-Methodenrepertoire mag dafür nur ein Beispiel sein.

Ihre Ansprechpartnerin

Bettina Dirks
Bettina Dirks
Koordination Consulting
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